Geschichten der Front

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Geschichten der Front

Beitrag von Ray Torchwood am Fr Jun 02, 2017 4:26 am

Ein Zeichen des Lebens

Der Gilneer wandte den Kopf nach der Kaldorei um, wie immer wenn er sie ansah erweckte sie einen eleganten zeitlosen Eindruck und doch war es immer schwer eine Kaldorei nach ihrem Aussehen einzuschätzen. Mit dem Gedanken hing er den Worten, die sie ihm vor einigen Minuten noch vermittelte als sie neben ihm auf den verdorbenen und gepeinigten Boden saß, nach. Als die Nachtelfe, von der er eine äußerst hohe Meinung hatte, schließlich schon einige Meter von dem Platz an dem sie sich befanden entfernt war richtete der Junge Druide seinen Blick zurück auf die Verkrustete Pflanze vor ihm, welche erst vor wenigen Minuten dank des Wirkens der Kaldorei durch den Boden brechen konnte.

„Sie hat nur noch wenige Momente zu leben…  mhhh“, murmelte der schwarzhaarige Gilneer vor sich her und wiederholte damit die letzten Worte der Druidin. Er streckte seinen rechten Arm nun der gepeinigten pflanze entgegen, bis seine Hand sich kurz über der Felverkrustung Befand. Dort angekommen legte sich ein sanftes, grünes schimmern um seine Hand, nur kurze Zeit später schien es als würde sich dieses leichte leuchten in Schleiern auf die verkrustete Pflanze niedersenken. Und tatsächlich begann die Energie, die der Druide auf die Kruste richtete, sich um eben jene zu legen, mehr noch drang sie gar in diese ein um dort die Verderbnis selbst zu bekämpfen und zu läutern. Der Erfolg zeigte sich nach ein wenig geduldiger Arbeit bald, als die Kruste langsam zu brechen begann und von der gepeinigten Pflanze abfiel. Als der junge Gilneer seine Hand in seinen Schoß legte, zeigte sich die kleine Fuchsblume in ihrer ganzen Pracht, Orange Blütenblätter mit Weißer spitze die dem Schweif eines Fuchses ähnelten.

Sein Blick richtete sich auf die Blume ein Anblick der ihm doch einige Worte entlocken konnte, welche mangels anwesender Mitstreiter nur an sich selbst gerichtet schienen „Vielleicht achten wir wirklich zu viel auf die offensichtliche Verderbnis des Landes. Doch selbst hier gibt es Leben wenn man danach sucht. Solange es hier ist und darum kämpft durchzubrechen… ist für uns auch noch lange nicht alles verloren.“ Vorsichtig grub er schließlich die Pflanze aus eher er jene, mit einem kleinen Haufen Erdreich um die Wurzel, in der linken Hand hielt und sich selbst auf den Weg zurück in das Lager machte. Als er zurückkehrte gingen die Truppen der Legionsrichter ihrem gewohnten Werk nach. Sie beachteten den Druiden mit der Blume in der linken kaum, so begab er sich zum zentralen Teich um der Fuchsblume an dessen Rand eine neue Heimat zu geben.

Als er dieser Tätigkeit nachging wurde er von den einigen Mitreitern seiner Truppe beobachtet. Hinter ihm wurde von einem Paladin eine Frage gestellt, doch bevor der Gilneer sich daran machte diese zu beantworten, bedeckte er die Wurzeln der Pflanze, welche er soeben in ein ausgehobenes Loch ablegt hatte, mit frischem Erdreich und bedachte sie mit etwas Wasser aus dem Teich. „Ich danke dir Sturmfeder“, sprach er leise für sich selbst während er sich erhob und dem Paladin zuwandte um dessen Frage zu beantworten.

Der Krieg war noch lange nicht vorbei und es würde in den kommenden Tagen und Wochen wohl noch einige Verluste geben. Doch im Lager der Legionsrichter stellte nun eine kleine orange Blume den beweis dar, dass auch die Insel selbst ihren Kampf gegen die anwachsende Verderbnis lange noch nicht aufgegeben hatte.

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Vorbereitungen.

Beitrag von Nem am Sa Jun 03, 2017 10:41 am

" Nimm es dir einfach. " Keifte es in ihrem Kopf. Die Stimme die anders und doch ihrer eigenen so ähnlich klang. Es war der andere Teil in ihr.

Wie ein Ameisenhaufen. Sie tummelten sich überall auf dieser verdammten Küste. Man konnte sie förmlich schmecken so sehr stanken sie nach der Verderbnis, die ihnen innenwohnte.

" Es dauert nicht lange, nimm es dir endlich "

Unzählige von ihnen. Ein Festmahl für die einen. Ein Schrecken für andere. Furcht würde jeden anderem vermutlich über diese Anzahl kommen, die ein Dämonenjäger von ihr ausmachen könnte.

" Lass uns ihnen endlich anschließen, sie werden uns willkommenheißen in ihren Reihen."

Die Dämonenjägerin stand dort, mit verschränkten Armen am hohen Punkt der Retterklippe beim Magierturm.
Unter ihr tummelten sich die Sterblichen. Auch andere Dämonenjäger. Darunter ihr Lehrmeister. Avalac. Zu diesem sah sie auf, fügte sich den Lehrstunden und versuchte zu lernen was sie konnte. Tharvyn und Beneris waren wohl in ähnlicher Position.
Auch diese beobachtete sie. Sie wollte lernen. Sie wollte ihre Stärke haben. Sie übertrumpfen. Ihren Fürsten damit stolz machen, die beste im Dämonenjagerin in seinen Reihen zu sein. Ehrgeiz keimte in ihr auf. Aber das übertraf nicht das Band die alle Illidari miteinander verband. Eine Verbindung die Außenstehende wohl nicht verstehen würden.

" Tue es, Tu es wenn sie nicht aufpassen. Tu es "

Ihre Zähne bleckten sich zu einem Grinsen als zum Dämonenschlachten aufgerufen wurde.
Es würde schmecken und Spaß bereiten jedem einzelnen dieser Monster die Seele auszureisen und sie leiden zu sehen.
Dabei selbst stärker werden um nur noch mehr zu reißen.
Oh, wie sie sich darauf freute sich in ihrem Blut zu suhlen und an ihren Seelen zu laben. Ihre Herzen schmeckten am besten, wenn sie noch schlugen und warm waren. Ganz frisch.
Ein vorfreudiges Zittern durchfuhr ihre Körper und ein unheimliches pulsierendes Aufleuchten der Tatoowierungen zog über ihren Körper.
Ein Beben jeder der  Fasern ihres Seins, die sich danach sehnten sich an ihren Feinden zu laben.
Wonne machte sich breit in Nem. Die schuppenversetzte Klauen ihrer rechten Hand spielten mit dem Ende ihres Zopfes.

" Gib dich hin, ja gib dich hin.. lass es raus "

Dann verhärteten sich ihre Gesichtszüge bei ihren nächsten Gedanken. Sie musste etwas erledigen zuvor.

" Nicht die Nadel. Nicht die Nadel" kam es schrill und verzweifelt in ihrem Kopf von ihrer anderen Seite.

Trotz des Bettelns und Wimmern des Dämonen in sich griff die Dämonenjägerin jene Nadel. Magie wabte um sie herrum und sie stach in ihre Haut.
Fügte sich selbst die Schmerzen des Zaubers auf dem Oberschenkel zu und erweiterte die Tatoowierung um weitere Runen die den Dämonen immer leiser werden liesen
Ein bleckendes Grinsen machte sich beit auf der Dämonenjägerin Lippen.
Schmerz, der am Anfang ihrer Ausbildung unerträglich schien war nun ein Genuss.

" Ich sagte du sollst schweigen " Sprach Nem zu der schrillen Stimme in ihrem Kopf ganz gelassen als sie damit fertig war das aufkommende Blut mit ihrem Finger aufzuwischen um es abzulecken.
Die schrille Stimme war leise. Fast überhörbar fürs erste.
Das war besser. Jetzt konnte sie sich auf die kommenden Gefechte konzentrieren.  Ihr Lehrmeister nickte Nem zu.

Es war so weit.

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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Jarven am Di Jun 06, 2017 10:58 am

Vorsichtig öffnete Jarven den Waffengurt um seine Hüfte und legte sein Schwert neben ihm auf dem Boden ab. Das Schild lehnte er an einen Holzbalken in direkter Nähe. Er streifte sich die Handschuhe von den Händen und legte diese neben sein Schwert. Dann setzte er sich auf eine kleine Holzkiste die zufällig in greifbarer Nähe stand. Er legte seine Hände an den Kopf und streifte den Gesichtsschutz vom Kopf und legte jenen ebenso vor sich ab. Jarven trug keinen richtigen Helm er war der Meinung dieser, an den Kopf angepasste, Schutz war ausreichend. Er deckte die Stirn, die Nase und die Schläfen sowie Wagen ab. Sollte er am Kopf getroffen werden, so dachte er, macht er sowieso etwas falsch in seiner Verteidigung. Er zog einen kleinen hölzernen Wassereimer zwischen seine Füße und schaute hinein, das Wasser schien sauber auf den ersten Blick. Er formte mit beiden Händen eine tiefe Kelle und schöpfte Wasser aus dem Eimer welches er sogleich mit Schwung über sein Gesicht verteilte.

Dann legte er seinen Kopf in den Nacken und schaute in den Himmel. Der dunkle, von der Legion, verseuchte Himmel protzte nur so von Unheil. Immer wieder sah mein dämonische Schatten am Himmel, vergebens suchte man einen hellen Sonnenstrahl. Er beschloss die Augen zu schließen und die Umgebung auf sich wirken zu lassen, das feuchte Gesicht brachte in Verbindung mit dem Wind der ab und zu über die Retterklippe strich eine eisige Kälte über seine Mimik. Doch das konnte er ignorieren, denn durch die damalige Zeit in Nordend und die fehlenden Sommer in den Pestländern war er an ein wenig Kälte gewöhnt.
Darauf hin senkte er den Kopf wieder und versuchte sich auf die Umgebung um ihn herum zu konzentrieren. Er lies all die Geräusche die in diesem Moment passierten auf ihn einwirken. Irgendwo links von ihm hörte er Schreie von Lebewesen die um ihre Gliedmaßen bettelten oder darum nicht sterben zu müssen und immer wieder Heiler die nach mehr Unterstützung schrien. Aus derselben Richtung sprachen Soldaten über ihre mickrige Tagesration die gerade so reichte um nicht verhungern zu müssen. Aus einer gänzlich anderen Richtung schrien Soldaten Befehle oder um Hilfe, die sie auf dem Schlachtfeld brauchten. Unter all diesen Lärm mischten sich Schwertklingen die immer wieder aneinander rasselten und das Ganze wurde untermal von Explosionen aus der Ferne. Jarven gab einen wehleidigen Seufzer von sich und öffnete langsam die Augen. Er sah den Krieg um sich herum, das überfüllte Lazarett, Truppen die ihren jüngsten Soldaten gerade im Moment beibrachten wie man kämpft und überall nur Zerstörung. Eine Träne lief ihm dabei von der Wange. Er ging sich mit beiden Händen durch sein ergrautes Haar und legte es sich links und rechts über die Schulter.

Jarven fing an leise zu sich selbst zu sprechen: "So viele Jahre des Krieges, so viel Trauer, Tod und Zerstörung. Wann hört es endlich auf?". Jarven wisch sich mit dem Handrücken der linken Hand die Tränen aus dem Gesicht und stützte dann die Ellenbogen auf den Oberschenkel ab, seine Finger verschränkte er ineinander und sprach leise weiter: "Licht, bitte hilf uns zu siegen. Hilf uns den blauen Himmel wieder zu sehen und lachende Kinder zu hören. Licht, bitte hilf mir dabei das Versprechen an meine Schwester einzulösen."
Er löste gerade die Hände wieder voneinander als ihm jemand die Hand auf die Schulter legte. "Du bist nicht alleine, Freund. Wir alle werden helfen." Jarven schaute über seine linke Schulter zu der Stimme. Ein hochgewachsener Nachtelf schaute auf ihn herab und lächelte. "D-Danke" stotterte leicht irritiert ehe der Nachtelf antwortete, "nicht dafür."
Danach stand Jarven auf und zog seine Sachen wieder an. Er nickte dem Nachtelf noch einmal zu ehe er durchs Lager schaute und auf einen jungen Soldaten zuging der wohl nicht ganz mit dem Anziehen seiner Rüstung klar kam.
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Versagen

Beitrag von Sturmfeder am Di Jun 06, 2017 12:47 pm

„Du hast versagt.“
Unruhig wandte der silberne Schopf der Druidin sich auf dem Rankenlager umher. Sie konnte nicht sagen, ob jemand in dieser Ebene, oder der des Traumes neben ihr stand, und ihr diese Worte zuflüsterte. Doch ihr Gewicht hallte noch lange in ihrem Gedächtnis, ummantelte ihre Gedanken und ließen sie daran glauben, dass es stimmte.
Sie hatte versagt.
„Sturmfeder!“
Die Elfe schreckte auf.
Mehrfach musste sie die Augen nieder schlagen, um die Benommenheit fort zu blinzeln. Wo war sie..?
Es dauerte, bis sich die schemenhaften Silhouetten zu deutlicheren Bildern abzeichneten.
„Shan‘do..?“, hörte sie ihre eigene Stimme mehrfach grotesk widerhallen.
„Steh auf!“
Die langen, geschwungenen Brauen zogen sich hinab.
Federleicht fühlte es sich an, wie sie sich erheben konnte. Es verwunderte sie, denn eigentlich..
Ihr Blick glitt an sich herab. Unter dem Harnisch erfühlte sie einen Verband. Die Verletzung war noch da. Sie erinnerte sich düster an die Momente der Verfolgungsjagd, bis die gewaltigen Kiefer nach ihr schnappten und ihr riskantes Ausweichmanöver nur gerade so noch gelungen war. Aber wieso fühlte sie keine Schmerzen..?
Die Druidin sah sich erneut um. Ein grüner Film schien auf der Welt zu lasten, die um sie herum weiterhin nur verzerrt existierte. War sie im Traum..? Aber warum war sie dann an einem Strand?
Und wieso stand der Elf dort, in seinen federartigen Gewändern, und hatte ihr den Rücken gekehrt? Konnte es sein..?
„Shan‘do, bist du es..?“
Das lange, weiße Haar des Elfen wurde von den stürmischen Winden aufgefasst und wirbelte empor in die Höhe. Ebenso die Federn, die sein Haupt, aber auch seine Kleider zierten. Der Wirbel stieg höher und höher, bis die gewaltige Sturmkrähe sich in die Lüfte erhob.
„Warte!“, hörte sie sich rufen und rannte los. Sie spürte den kalten Sand unter ihren nackten Füßen aufwirbeln, und bald das eisige Gewässer, das um ihre Beine spühlte.
Die Krähe verschwand im Meer der tief hängenden Wolken, durch die grüne Bitze zuckten.
Sturmfeder atmete leise aus und schloss die Augen. Für eine Weile vernahm sie nur noch das Rauschen der Wellen, die von dem Sturm, der über die Küste preschte, aufgetrieben wurden. Erst, als etwas seltsam warmes um ihre nackten Beine strich, öffnete sie jene wieder. Das Meer war plötzlich von Blut getränkt. Die Elfe wich erschrocken zurück und ruckte den Blick umher. Leichen wurden ans Meer getrieben. Aufgedunsene, aber auch jene, die erst kürzlich den Fluten und anderem zum Opfer gefallen waren. Diese erschütterten sie aber schon lange nicht mehr so wie das, was sich dazwischen abzeichnete. Der gewaltige Hai spülte an Land, und neben ihm die langen Tentakeln eines Kraken. Weitere kleine folgten daneben.
„Du hast versagt.“
Die Stimme ihres Shan‘dos erklang mit einem Male hinter ihr.
„Shan‘do, ich - ..“
Nein, sie konnte keine Erklärung dafür finden. Sie zwang sich, den Blick auf die angespülten Überreste zu halten.
Sie spürte die Nähe des Elfen an sie heran treten. Sogar die große Pranke hob sich an die schmalere Schulter. Doch nicht ein mal die tröstende Berührung Tathvals mochte ihr Linderung verschaffen.
„Ich habe versagt..“, wiederholte sie leise und resignierend.
„Ich hätte selbst voraus gehen sollen. Wir hätten sie retten können.“
„Das ist richtig, Sturmfeder.“

Die Worte erklangen weniger wie eine Verurteilung.
„Es tut mir leid..“
Der Sturm trieb die silbernen Haare in das elegante, zeitlose Antlitz der Elfe, das sich herab sank. Doch eine Berührung des Elfen verhinderte dies und zwang sie, sich herum zu wenden, um zu ihm empor zu sehen.
Sein Gesicht war gezeichnet von zahlreichen Kämpfen, die er, aber auch sie gemeinsam bestritten hatten.
„Wie kannst du hier sein..?“, hörte sie ihre eigene Stimme wieder verzerrt über den Strand hallen.
„Du träumst, Sturmfeder.“
Die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag ins Gesicht.
„Aber in deinem Geiste weißt du, was mein Rat gewesen wäre. Erinnere dich.“
Das silberne Augenpaar schmälerte sich, doch Momente später folgte ein langsames Nicken.
Ein Lächeln zeigte sich auf den Lippen des Elfen, dessen raue Finger ihre Wange entlang strichen.
„Es war nicht deine Schuld. Doch das Versagen wird dir eine weitere Lehre sein. Und nun wach auf und kümmere dich darum, dass jene die dein Wort schätzen aus deinen Fehlern lernen.“
Sie wollte nicht aufwachen. Zu schön, und schmerzlich zugleich war die Erinnerung an jenen Elfen, der ihr über Jahrtausende hinweg zur Seite gestanden hatte. Er war dabei, als sie in die Gesellschaft der Druiden aufgenommen wurde, und ihre erste Formwandlung vollzogen hatte. Als sie den Segen Avianas erhalten, und weit über die Berge Hyjals hinaus geflogen war. Auf jede der Prüfungen hatte er sie vorbereitet, bis sie viele Jahrhunderte später an jenem Ort gemeinsam gegen den Feind kämpften, der ihre Heimat verwüstet hatte. Doch er hatte recht. Sie musste von der Erinnerung loslassen und nun aufwachen. Ein letztes, stolzes Nicken gab ihr die schemenhafte Gestalt, ehe der Traum langsam zurück in die Schwärze glitt.

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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Kheya Traynor am Sa Jun 10, 2017 5:30 am

Glück - Glaube - Omen

Glück.

Das musste die Erklärung sein, oder zumindest war es die Art von Erklärung, die sie sich gerne einreden wollte. Etwas anderes kam schlicht nicht in Frage. Kheya Traynor starrte, noch erhitzt von dem zurückliegenden Kampf, die Klippen hinab und dem ewig grünen Mahlstrom entgegen, der sich in der Ferne vom Grabmal erhob. Er tauchte den Himmel in fahles, grünes Licht, machte es fast unmöglich zu sagen, ob es Tag, oder Nacht war und vor allem zehrte er an ihren Nerven. Jetzt, wo sie Zeit hatte zum Nachdenken, mehr denn je.

Der Kampf war gut verlaufen. Es war fast geradezu lächerlich einfach gewesen, die Legionstruppen zu besiegen und obwohl sie es nicht gerne zugab, war es letztlich das Formationstraining unter Sir Ranems Führung gewesen, dass sie effektiv gemacht hatte. Das und seine Drohungen. Letztere hatten zumindest noch rechtzeitig verhindert, dass sie alleine den Hügel hochstürmte, oder wenigstens wartete, bis die anderen nachrückten. Nicht viele konnten von sich behaupten, dass mal bei ihr erreicht zu haben und kurze lachte sie bei dem Gedanken auf, dass es dafür doch eigentlich einen Orden geben sollte.

Trotzdem war es Glück gewesen. Sie wollte zumindest, dass es so war und je mehr sie ins Nichts starrte und darüber nachdachte, desto hartnäckiger klammerte sie sich an diesen Glauben. Gut, es hatte nichts mit Glück zutun gehabt, dass sie gesiegt hatten. Es hatte auch nichts mit Glück zutun gehabt, dass der Eredarhexer so schnell gefallen war. Es war kein Glück gewesen, wodurch die Greifenreiter die Teufelskanonen so effektiv hatten zerstören können. Nein. Das war kein Glück gewesen. Das war einfacher Erfolg, durch Vorbereitung, Planung und nicht zuletzt auch Können.

Sie hielt den Atem an und schloss für einen Moment die Augen. Im Geiste sah sie wieder Sebasten, wie er einfach nur da lag, die Augen offen - ein Blick ohne wirkliches Erkennen, ohne Inhalt. Sie hatte ihn kurz nach dem Kampf in der Krankenstube aufsuchen wollen, war dann aber nicht lange geblieben. Sie hätte irgendwas sagen können, vielleicht auch einfach nur da sein können, aber sie war gegangen. Kheya Traynor hatte kein Händchen für die Verwundeten. Es war nicht so, dass sie darin eine Schande sah, oder gar Versagen. Es war einfach Pech. Er hatte Pech gehabt und sie?

Kheya öffnete die Augen. Bei ihr musste es Glück sein. Nicht einen Kratzer hatte sie abbekommen und das obwohl sie an vorderster Front gestanden hatte, während die Dämonen sich auf verschiedenste Weise bemüht hatten, sie zu töten. Um sie herum waren die Streiter verwundet worden, hatten sich leichte, oder schwerere Verletzungen eingefangen, aber Kheya selbst? Sie blieb unangetastet, als würde die Gewalt, die Zerstörung und der Tod um sie herumfließen. Sie atmete schwer aus.

Es gab natürlich andere Erklärungen. Ihr eigenes Können, die Hilfe ihrer Mitstreiter, die Übungen - all das kam in Frage. Es konnten die Gründe sein, aber warum dann sie? Warum nicht auch die anderen? Vielleicht war sie besser. Vielleicht hatten die anderen Pech gehabt. Vielleicht hatte sie auch nur Glück gehabt. Oder aber...
Sie zitterte leicht, trotz der schwülen Hitze, als sie den Blick zur Seite lenkte und den Schatten anstarrte, den die Steinsäule auf den Boden warf. Sie war sich sicher, dass dort nichts war, aber sie fühlte sich dennoch beobachtet. Die Worte von damals hatten sich zu sehr in ihren Geist gebrannt. Irgendwann sah man Dinge, wo keine waren. Sah Gespenster. Sah im Schatten ein Gesicht, ein Wolfsgrinsen, das lauerte und wartete.

"Kheya, Kheya, das bleiche Kind. Kheya, Kheya,  das kleine Lamm..."

SIe wandte sich rasch ab, aber es nützte nichts. Die Worte verfolgten sie immer noch und in jedem Schatten, in jedem dunklen Winkel glaubte sie es zu sehen. Sie biss die Zähne zusammen. Es konnte nicht der Grund sein. Sie wollte nicht, dass es so war. Es war ihr Können, das Pech der anderen, oder Glück. Alles, nur nicht das. Es war Unsinn. Es waren nur Märchen. Geschichten, mit denen man Kindern Angst einjagen wollte. Sie war Kheya Traynor. Sie kannte keine Angst.

"Kheya, Kheya Schwert und Schlacht..."

"Geh' weg!", fauchte sie und ballte dabei die Fäuste, biss sich sogar auf die Zunge, bis sie Blut schmecken konnte. Das war das einzige was half. Blut und viel Zorn. Sie schlug die geballte rechte gegen den Felsen, scherte sich nicht um den Schmerz, der ihr durch die Knöchel und den Unterarm schoss. "Geh weg...", flüsterte sie tonlos, aber das, was sie aus dem Augenwinkel im Schatten zu sehen glaubte, blieb.

Es war immer da, wenn sie nicht daran denken wollte und je mehr sie versuchte, nicht daran zu denken, desto mehr dachte sie daran. Sie hatte in den letzten Monaten geglaubt, frei davon zu sein. Es mit der Rotwehr hinter sich gelassen zu haben. Die Angst. Das Omen. Die eine Frage. Warum bleibe ich unversehrt? Warum macht die Zerstörung einen Bogen um mich? Sie begann wieder zu zittern.

"...Kheya ist aus Tod gemacht."

Warum sterbe ich nicht...?
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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Jarven am Sa Jun 10, 2017 11:50 am

Der Tag danach

Jarven öffnete schlagartig die Augen, riss sie förmlich auf. War das letzte Bild was er vor Augen hatte doch noch ein Teufelsross. Nun eröffnete sich ihm aber ein anderes Bild. Es war oliver Stoff. Eine riesige gespannte Plane ziemlich hoch über seinem Kopf. Dann tastete er mit den Händen langsam um sich herum alles ab, die Rüstung war weg und er lag auf einer Pritsche. Gleich darauf stemmte er die Hände an den Rand der Pritsche und wollte sich aufrichten, doch als er den Körper anspannte durchzog ihm im Brustbereich ein ziehender Schmerz der ihn gleich wieder zurückfallen lies. "Was...zum..beim Licht..." zischte Jarven. Er versuchte es erneut und wieder durchzog ihn ein unmenschlicher Schmerz. Er seuftzte und blieb auf der Pritsche liegen, denn auch er merkte das es keinen Zweck hatte sich aufzurichten. Einen Moment lang starrte Jarven an die Decke und dachte nach "War es das jetzt? Ist der Krieg für ihn vorbei?" Gerade als Jarven noch einen Versuch unternehmen wollte, schob sich ein weibliches freundliches Gesicht zwischen ihn und die olive Plane.

"Ihr bleibt schön brav liegen." sprach die junge Dame zu ihm.
"Ich muss zurück..." brach es bruchstücken haft aus Jarven heraus,"meine Kameraden brauchen mich...."
Die junge Frau lächelte und sprach dann widererwartend ernst zu Jarven "Ihr geht nirgendwo hin! Ihr bleibt solange hier bis ihr euch wieder bewegen könnt, Kamerad!"
Dann wurde sie wieder freundlich und fuhr fort, "Ihr hattet einige Rippenbrüche. Seid froh das sich keine der Rippen in die Organe darunter gebohrt hat. Dank eines sehr hilfsbereiten Paladins sind die Brüche mit Hilfe des Lichts schnell behandelt worden, doch die Prellungen und Hämatome die die Brüche verursacht haben sind noch nicht zurückgegangen. Ihr bleibt also solange für Kampfunfähig erklärt, bis ich oder irgendein anderer Heiler euch wieder für >Einsatzfähig< erklärt."

Jarven seufzte, dann legte er die Hände auf den Bauch und starrte erneut an die Plane. "Ist gut. Möge das Licht uns alle beschützen..." kam von Jarven etwas ernüchternd hervor. Die junge Heilern nickte freundlich ehe sie wieder verschwand.
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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Amelia von Winterhain am So Jun 11, 2017 5:09 pm

Wankender Glaube

„Aufhören."

Eine erschöpft klingende Stimme ertönte unter den benutzt wirkenden Decken, welche auf einem der wenig errichteten Betten lagen, die im Priester-Lager zu finden waren.
Wenn denn überhaupt von richtigen Betten die Rede war. Viel mehr glichen sie eilig zusammengeschusterten Feldbetten, die nicht wirklich komfortabel waren. Aber sie hatten einen einzigen Zweck: Wenigstens etwas Ruhe zu bringen, um halbwegs ausgeruht in den nächsten Tag zu kommen – schließlich war jegliche Hilfe im Kampf gegen die Brennende Legion vonnöten.

„Bitte, bitte nicht.“

Die stark verdreckten Decken wurden unruhig umgeschlagen, ehe wieder Stille eintrat, wenn auch nicht von Dauer.

„Nein!“

Die Priesterin öffnete die Augen und sah laut und schwer atmend auf sich herab. Kerzengerade saß sie auf dem Bett, die Decken waren zu Boden gefallen. Ihre langen, roten Haare hingen ihr strähnig ins Gesicht und verdeckten ihr die Sicht auf die umliegenden Betten. Sie sah nicht gut aus. Das reinweiße des Ornats, jenes sie trug war mittlerweile schmutzig graubraun. Hier und da zeigten sich Verkrustungen von Blut. Dem Blut der Verwundeten, die keine fünfzehn Meter weiter im Lazarett um ihre Leben kämpften, aber auch vom Blut der Gefallenen, die den Kampf gegen die Legion bereits verloren hatten.

Wie lange habe ich geschlafen?


Amelia von Winterhain hob ihre rechte, behandschuhte Hand und strich sich müde eine der Strähnen ihres Haares hinter ihr Ohr. Dann fuhr sie mit derselben Hand weiter ihren Kopf entlang, bis sie die verzauberte Rose erfühlte, mit der sie sich stets schmückte. Sie lächelte schwach.
Ein Traum. Ein Albtraum, nicht mehr, nicht weniger.
Sie senkte die Hand und wollte den Blick bereits wieder abwenden, als sie ein Brandloch im Handschuh entdeckte, oberhalb, auf dem Handrücken. Zu anderen Gegebenheiten wäre sie wegen ihrer verschmutzten Gewandung und dem Loch in ihrem Handschuh zurecht entnervt gewesen. In Zeiten des Krieges sah es aber anders aus. Sie war eine von den wenigen Streitern, die seit Wochen nicht mehr anständig gegessen, sich gewaschen oder geschlafen hatten. Sie waren alle gleich: Ländereien und Titel zählten hier nichts. Hier gab es nur die Obrigkeiten, die Kampferfahrenen – und jene, die der Höllenbrut der Legion zum Opfer fielen.
Amelia erhob sich allmählich aus dem Bett und kam wankend auf den Füßen zu stehen. Just in diesem Moment stellte sie sich Valesthys, die Kal’dorei unter den Todesrittern, vor. Das wahnwitzige Lachen der Untoten dröhnte in ihrem Kopf.

Die Fleischberge der Lebenden häufen sich. Bald beginnen sie zu verrotten. Ha ha!


Die junge Prinzessin schüttelte den Kopf.

Nein, so etwas würde Valesthys nicht sagen. Oder doch?

Nur schwer konnte sie sich ein Bild von den Streitern machen. Stets war sie darum bemüht, ihre Neutralität zu wahren, was sogar ziemlich gut klappte, wie sie fand.
Bis die Todesritter wieder irgendwie in irgendeiner Weise in das Geschehen mit ein bezogen wurden.
Schon in Nordend hatte sie mit ihnen zu tun. Diese Todesritter aber waren anders.

Natürlich sind sie anders, Amelia. Der Lichkönig lebt schließlich nicht mehr – vielleicht wird die Gefahr durch die Legion einfach unterschätzt.

Die Frau legte ihren mittlerweile ebenfalls verdreckten Wollumhang um ihre Schultern. Einst war er, wie das Ornat, reinweiß. Lediglich die schwarzen, kunstvollen Ziernähte und der eingestickte Rabe auf Schulterhöhe zeigten auf, zu wem sie gehörte. Sie trat an den Eingang des Lagers und schlug den Vorhang zur Seite, um hinauszutreten. Mit zusammengekniffenen Augen sah sie sich um. Es war dunkel, mitten in der Nacht. Bedrohlich wirkte die dunkelgrün-schwarze Himmeldecke, die das Land schier in ewige Finsternis tauchte. Lediglich der Mondbrunnen in der Platzmitte der Retterklippe tauchte die umstehenden Lager in silbrig-blaues Licht. Hier und da waren schwachleuchtende Fackeln zu sehen – sonst war der Platz größtenteils, bis auf umstehende Wachleute, geräumt.

Sie wusste aber, dass hier keiner schlief. Dies war ein Ding der Unmöglichkeit. Amelia könnte schwören, selbst hier, aus der Entfernung, das Todesröcheln der Unglücklichen aus dem Lazarett zu hören. Sie runzelte besorgt die Stirn und begann, zu gehen. Fernab von den Lagern. Fernab von Tod und Leid.
Bald schon vermischten sich die Zelte und Lager zu einem einzigen Schleier vor ihren Augen. Hin und wieder nickte sie vorbeigehenden Personen freundlich zu – sie ließ sich nichts anmerken. Das durfte sie nicht, nicht als Vertrauensoffizierin.

Schließlich kam sie zu stehen und fand sich an einem Felsvorsprung, unweit der Retterklippe wieder. Sie war allein, wie so oft. Ihr Vater war strikt dagegen, als sie ihm ihren Plan, den Streitern Azeroths gegen die Legion zu helfen, erzählte. Er drohte ihr sogar damit, sie einsperren zu lassen, bis sie wieder einen kühlen Kopf gefunden hatte. Daraus wurde nichts.

Amelia schmunzelte. Sie hatte sich mit einer Erzlieferung davongestohlen und war Wochenlang nach Sturmwind gereist. Freilich wurde sie von den Männern des Schiffes erkannt; weswegen sie von ihr bestochen wurden, sie nicht festzuhalten und zurückzubringen. Letztlich war sie es, die das Empfehlungsschreiben ihres Vaters gefälscht hatte.

Vergib mir Vater, ich musste es tun. Ich kann nicht untätig in der Burg sitzen, während hier tapfere Männer und Frauen ihr Leben lassen. Und doch…

Seit Tagen plagte sie immer wieder derselbe Albtraum: Eine brennende Retterklippe und schwarzverkohlte Leichname. Die Mission war gescheitert, Azeroth gefallen. Drohend richtete ihr Vater, Lord Leowynn von Winterhain den Finger auf sie, sie, die ohnehin schon kniend vor den Ruinen ihrer Heimat kniete und sich den Schmerz aus den Lungen schrie. „Du hast versagt, mein Kind“, erinnerte sich die Priesterin an die Stimme ihres Vaters aus dem Traum, „Du hast versagt. Ihr werdet nicht wiederkehren – alles war umsonst.“

Die Priesterin brach zusammen und fiel mit den Knien auf das brache Stück Boden zu ihren Füßen. Sie weinte, still und heimlich. Nein, hier draußen würde sie keiner sehen. Hier durfte sie Schwäche zeigen. Hier durften sie ihre Zweifel übermannen. Seit Tagen schon konnte sie das Licht nicht mehr anrufen. Ihre eigenen Blockaden trugen Schuld daran. Bisher hatte sie diese Erkenntnis nur zwei Männern im Lager erzählt, von denen sie glaubte, ihnen vertrauen zu können. Schließlich ist noch nichts Verräterisches an ihre Ohren gedrungen.

„Ich muss mich zusammenreißen“, sagte die rothaarige Frau dann leise, in einem mehr zu sich selbst flüsternden Ton, „Mein Glaube… darf nicht wanken.“
Sie hob den Kopf an und lächelte müde, ehe sie die Augen vor dem ihr kargen Land verschloss, unwissend, dass sie die ganze Zeit beobachtet wurde, aus den Schatten.
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Von Hexenklingen und... anderen Dingen

Beitrag von Denissaryen am So Jun 11, 2017 7:04 pm

So unruhig wie sie schon die vergangenen Monate hier geschlafen hatte, so war auch diese Nacht keine Ausnahme. Doch wenigstens, hatte die Hexe - seit jetzt über einer Woche schon - ein Zelt. Und so starrte sie eben genau auf dessen Inneres. Sie konnte hören wie Bruunum sich draußen wälzte, als er merkte dass seine Meisterin wach war und wanderte dann wieder vor ihr "Lager" um dort zu wachen. Oder eher nur, Bescheid zu geben wenn jemand auftauchen würde... angreifen würde sie ihn hier, niemanden lassen.

"Iiiiiiiiich haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaasse dieses schwüle Hitze!" Stöhnte die Frau genervt und streckte den Kopf mühseelig über, um mit ihren rot glühenden Augen aus dem Zelt blicken zu können. Zugegeben - die Hitze war erträglich, aber welchen Grund sich zu beschweren würde diese Frau denn jemals auslassen? Orphelia legte sich auf den Bauch und überprüfte mit einem kurzen Kontrollblick ob ja Alles an Ort und stelle war.

Sense - Tasche - Klinge

Mehr hatte sie ohnehin nicht. Doch es war immerhin schon mehr, als die Frau zuvor gehabt hatte! Seit sie für Valesthys an dieser Klinge gearbeitet hatte, war ihr aufgefallen, wie nützlich so ein Ding sein konnte. Also nutzte sie nun ein ahnliches Verfahren auf ihren Ritualdolch an... jedoch mit nur mäßigen Erfolg. Die Klinge war offensichtlich nie dafür gemacht worden und die Tatsache dass die Hexenmeisterin diese zweckentfremdete spielte ihr nicht gerade in die Hände. Mit einem Zähneknirschen begutachtete sie die Verfärbung des Metalls, das zwischen dem Riemen und der Scheide hervor lugte.

"Wird schon werden..." Redete sie sich einfach immer wieder ein, obwohl sie wusste dass das Gegenteil der Fall war. "Wieso fragst du nicht einfach?" Dachte sie sich plötzlich und Orphelia runzelte die Stirn. Die Idee war nichts wert. "Und wer bei Sargeras Arsch würde MIR bitte schön eine..." Plötzlich brach die Hexenmeisterin ab, als sie glaubte jemand wäre in der Nähe und sah sich um, ob sie durch die Zeltwände etwas erspähen könnte. Nichts. Wieder blickte sie auf ihre Besitztümer.

Sense - Tasche - Klinge

Dann fiel ihre Aufmerksamkeit einen langen Moment auf die Sense. "Vielleicht wenn ich einen Schmied dazu bewegen kann - oder zwingen kann - ein wenig aus ihr heraus zu holen?" Unsicher, ob das überhaupt eine überlegenswerte Idee war, raffte sich die Hexe - deren Robe unachtsam zusammengeknüllt und die Ecke des Zelts befördert wurde - auf und atmete tief durch. "Im Sitzen denkt es sich doch gleich viel besser nach." Schon zückte sie die Klinge aus der Halterung ihrer Umhängetasche und legte sie vor sich, nachdem sie Beine überkreuzt hatte auf den Schoß. "Wie gut dass ich nur nie tue."
Gerade kicherte sie noch, dann wandt sie mit etwas Bedauern, einen simplen Zauber an um sich in der Oberfläche ihres Dolches spiegeln zu können und knirschte abermals mit den Zähnen. "Spielt keine Rolle. Alt werden ist sowieso kein hehres Ziel. Und wie sie auf dich reagieren, Mädchen, ändert es auch nicht."
"Als ob du nicht alt wärst." - Kam ihr erneut in den Sinn und Orphelia konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Auch wieder wahr."
Sie betrachtete das leicht grünliche Kettchen um ihr Handgelenk, das vor nicht allzu langer Zeit noch einen ganz Anderen Zweck hatte, ehe sich ein lilaner Schimmer um ihre Hände legte. "Dann bin ich ja auch alt genug, um weiter zu machen, nicht wahr?"

Gerade wollte die Frau wieder anfangen den Zauber in die Klinge zu speisen, da schreckte sie hoch und die Hexenmeisterin packte ihren Kopf. Unter Schmerzen warf sie sich wieder auf den Boden und Bruunum draußen spizte die Ohren. Ihr Schrei, als sie Erinnerung sie wieder packte, wäre wohl durch das gesamte Lager gefahren... wenn er nicht stumm gewesen wäre. So schnell sie in diesem Krampfanfall es eben konnte, packte sie den Dolch und trieb ihn sich durch sie Hand. Ein Weckruf... dass sie nicht dort war, sondern hier. Dass es die Vergangenheit war, nicht die Gegenwart.
Mit einem Ächzen zog sie sich die zackige Klinge wieder aus der linken Hand und beobachtete einen Moment lang, wie ihr Blut aus der Wunde trat. "Scheiße." Keifte die Hexe genervt und brummte dann, sich umblickend, was sie wohl zum Verbinden nutzen könnte. "Ach... dann eben so."
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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Astaria am Mo Jun 12, 2017 8:36 pm

Eine einsame Kerze brannte noch auf dem Tisch im Kommandozelt des kleinen Verbunds, der aus den unterschiedlichsten Gruppierungen und Orden zusammengewürfelt war. Höllensturz hatte irgendjemand diese kleine Truppe zu Beginn, unmittelbar nach ihrer Formierung getauft und vermutlich hatte er eine andere Assoziation darin gesehen, als die, die Leodera Weißensee darin sah.

Im schwachen Licht saß die Paladin auf einem hölzernen Stuhl an einem eilig zusammengehämmerten Tisch, auf dem sich trotz gerade aufgeschlagenem Lager bereits etliche Pergamente häuften. Karten in unterschiedlichem Maßstab von unterschiedlichsten Gebieten der Insel, Listen über Verwundete, Vorratslisten und auch ein Zeitplan, auf dem immer wieder Korrekturen und Streichungen vorgenommen worden waren.

Vor wenigen Stunden hatte sie mit dem Erzmagus gesprochen, hatte mit ihm sprechen müssen. Und womöglich hätte sie ihre Worte anders formuliert oder zumindest noch einmal überdacht, wäre sie in dem Wissen dessen gewesen, was er ihr kurz darauf offenbaren würde.
„Die Legion hat einen beträchtlichen Teil ihrer Truppen in den Verdammnislanden zusammengezogen.“, hatte der Erzmagus ihr in seiner trockenen, emotionslosen Weise mitgeteilt.

Und es hätte seiner weiteren Worte über die zahlenmäßige Überlegenheit der Legion nicht bedurft, um in Leodera die Gewissheit zu wecken, die seit dem Hinterhalt bei der Bergungsmission schon längst in Form eines Verdachts bei ihr war: Die Legion wusste es!

Die Legion wusste, was der Höllensturz plante und wie er es umsetzen wollte, wusste es von Anfang an. Noch nie zuvor hatte diese verderbte Brut für einen Bergungstrupp solch einen Hinterhalt gelegt und sogar den Aufwand betrieben, über Nacht monströse Geschütze zu postieren, nachdem sie zuvor die Späher in die Irre geführt hatten, um sie glauben zu machen, der Strand wäre frei.
Ihre Bedenken waren zu diesem Zeitpunkt als Hirngespinst abgetan worden. Und sie hatte es widerwillig hingenommen, dass alle anderen die Möglichkeit eines Spitzels oder einer Überwachungsmöglichkeit durch die Legion kategorisch abgetan hatten.
Aber jetzt war der Höllensturz aufgebrochen und die Kundschafter der Legionsrichter meldeten, dass in dem Gebiet, das sie für den Vorstoß zu durchqueren gezwungen wären, neben dem Obelisken Massen an Legionsbefestigungen stünden. Befestigungen, die die Folge von Feindbewegungen waren, von denen sich vor wenigen Tagen noch überhaupt nichts abgezeichnet hatte.

Und so kam es schließlich dazu, dass das Gespräch mit dem Erzmagus diese niederschmetternde Wendung bekommen hatte. „Könnt Ihr gewährleisten, dass sich unter den Euren kein Spitzel befindet?“
Einen Augenblick hatte sich die Paladin dabei ertappt, zu zögern, hatte bejahen wollen. Aber auf welcher Grundlage? Sie kannte die Mitglieder des Höllensturzes nicht, konnte sie nicht einschätzen.  Und nun sollte sie eine Antwort geben, die in ihrer Art absolut war und das wenige Minuten, nachdem sie über fehlende Kommunikation zwischen der Truppe und ihr berichtet hatte...
Langsam hatte Leodera den Kopf geschüttelt. Wortlos.

Sie hatte keine Worte mehr gehabt, als ihr bewusst geworden war, dass ihnen der Weg verschlossen war. Dass die Legion gnadenlos jede Verzögerung ausgenutzt hatte. Dass der infernalen Brut so vieles in die Hände gespielt hatte und es noch immer tat. Dass der Feind, ein unerbittlicher, gnadenloser Feind, über interne Informationen des Höllensturzes oder gar des gesamten Legionsrichterverbandes zu verfügen schien und so schnell und effizient davon Gebrauch machte.

Die Paladin hatte nach etwas gesucht, woran sie sich in diesem Moment der düsteren Erkenntnis halten konnte. Etwas, der Verzweiflung entgegenzuwirken imstande war. Ein winziger Schimmer des Lichts in dieser düsteren Stunde. Vielleicht... Wenn sich einige Dinge änderten und man herausfände...
„Es wäre Selbstmord.“, hatte die grimmige und unversöhnliche Stimme des Erzmagus in ihre Gedanken geschnitten. „Hier muss ein ganzer Truppenverband ran. Der Weg zum Grabmal ist mittlerweile der am besten gesicherte Ort der gesamten Insel. Die Pläne sind geändert und Ihr solltet dankbar dafür sein. Denn das bedeutet, dass Ihr und Eure Leute eine Chance haben, zu überleben.“

Einige Stunden lagen diese Worte zurück. Einige Stunden waren vergangen, seit die junge Paladin erfahren hatte, dass die Legion ihr Versagen nicht unbeantwortet gelassen hatte. Und nun saß sie im Schein der einzelnen Kerze an diesem provisorischen Tisch mit seinen Karten und Listen und grübelte. Grübelte, wie man einen Maulwurf oder einen anderen Weg der Spionage enttarnen konnte, wenn man nicht einmal wusste, wo man anfangen sollte. Grübelte, wie sich unter diesen neuen Umständen die neuerlichen Befehle noch umsetzen ließen. Sie dachte an all diejenigen, die ihr die Möglichkeit der Anwesenheit eines Spions auszureden versucht hatten und fragte sich: War es nicht genau das, was man als Spion in so einer Lage mache würde: Beschwichtigen?
Und sie dachte auch an die Möglichkeit oder Unmöglichkeit, die neue Order des Erzmagus durchzuführen und eine Basis für den Truppenverbund der Legionsrichter am Rand der Verdammnislande zu etablieren. Wie sinnvoll war es, wenn dabei doch nur wieder mit teuer Blut ein Zug erkauft wurde, den die Legion längst vorhersah?

Sie fand in dieser Nacht keine Antworten.
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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Tharvyn am Di Jun 13, 2017 1:21 pm

Tharvyn neigte den Kopf dezent zu dem Halbelfen hinunter, der auf der Schlafmatte neben ihm längst ins Reich der Träume versunken war. Er hätte ihn wecken können, hätte er wirklich eine Wachablöse gebraucht, aber Tharvyns Schlafgewohnheiten waren seit langem das Gegenteil von dem, was man als "normal" bezeichnete. Sicher musste selbst der Halbdämon ab und an ruhen, aber das Ausmaß war im Vergleich zu früher doch deutlich gesunken. Der Dämonenjäger wischte die jüngsten Blutspuren von den Gleven - er mochte seine Gleven sauber - welche eine kleine Teufelshundepatrouille hinterlassen hatte. Drei armseelige Viecher im Nirgendwo, nicht allzuweit der Palisaden, aber auch keine wirkliche Bedrohung. Ein Häppchen, sozusagen, welches zu erlegen Sáevire so viel Freude bereitet hatte, wie ihm. Es lag offenbar beiden nicht, lediglich still und ruhig in einem Lager zu sitzen und zu warten. Ab und an brauchte man Abwechslung und, so klein sie auch sein mochte, die Patrouille bot eben genau jene.

Ein felgrüner Blitz durchzuckte den dauergräulich-dunklen Himmel, aber er entlockte dem Illidari nur ein Schulterzucken. Seit sie auf den Inseln angekommen waren, bot sich ihnen an den Hauptfronten stets ein ähnliches Bild und die Welten, die er mittlerweile betreten hatte, ein noch Schlimmeres. Tharvyn drehte den Kopf flüchtig in Richtung des eigentlichen Lagers zurück. So viele kleine Lichter. So viele Kinder. Kurz flammten die kläglichen Überreste der "Augen anderer Natur" auf, bevor der Blick das Kommandozelt erreichte und jeder Funken erlosch. Serath. Ein Kind, wie alle, und doch eines, was schlimmer war, als sie alle. Er hatte den Respekt in dem Moment verloren, als ihn Serath an Sternenauge erinnerte. Dieselbe Arroganz. Dieselbe Unfähigkeit einzusehen, dass ein Titel keinen Kommandanten machte. Dieses kindische Aufgestampfe. Glaubte dieser Jungspund wirklich, er könne so viele unterschiedliche Truppen in ein Sturmwinder Muster pressen? War er so naiv?

Tharvyn bemerkte, dass er innerlich unruhiger wurde, je mehr sich Erinnerungen an Sternenauge in den Vordergrund schoben. Viele Details, viele Geschichten, hatte er über die Jahrtausende längst vergessen. Nicht aber Sternenauge. Sternenauge hielt sich hartnäckig als einer der verabscheuenswürdigsten Elfen, die ihm je untergekommen waren. Er hatte den Krieg nicht überlebt und, wenn Serath unbedingt diesem Pfad folgen musste, würden sie ihn wahrscheinlich auch bald einäschern. "Die Dinge sind, wie sie sind", murmelte er sehr leise, aber von Sáevire kam keine nennenswerte Reaktion. Der Dämonenjäger lenkte den Blick wieder fort. Zu anderen Lichtern. "Aber es gibt auch andere", dachte er erneut laut vor sich hin und spürte, wie wieder etwas Ruhe einkehrte.

Zufrieden legte der nicht-mehr-zur-Gänze-Nachtelf seine gesäuberten Gleven schließlich neben sich ab. Sáevire schlief noch immer.
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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Tanara A. V. Thalindar am Di Jun 13, 2017 2:31 pm

Die Magierin lächelte.
Es war selten, dass sie lächelte, gerade wenn sie einen Teil ihrer Kraft abgegeben hatte. Doch das Ergebnis erfüllte sie mit einer gewissen Zufriedenheit. Die Fokuskristalle pulsierten wieder in jenem Ton, den sie trugen, als sie die Barriere frisch aufrichteten.
Energieverschwendung? Keineswegs. Die Barriere war von höchster Wichtigkeit, das wussten zumindest die Magier. Die anderen Teilnehmer respektierten es wohl auch - immerhin war niemand so dämlich und hatte sein Lager außerhalb der schützenden, Arkanen Kuppel aufgeschlagen.
Kurz streckte sie sich. Es war jedesmal ein Kraftaufwand, eine Anstrengung. Danach konnte man eigentlich gut schlafen, gäbe es nicht genug wichtigeres zu tun.
"Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.", murmelte sie, wie ihr Vater es stets gehalten hatte. Seit dem Wegfall von Magus Hunt war die Moral unter den Magiern nicht besser geworden. Alles wurzelte aus dieser einen Ansprache und dem durchaus angespannten Verhältnis der anderen Gruppierungen zum Lagerkommandanten Serath.

Es störte sie - doch was hatte man auch von einem kommandierenden Paladin zu erwarten - solche Operationen liefen immer etwas... anders als jene, die den Kirin Tor selbst anvertraut waren. Warum hatte der Erzmagier also nicht einen der ihren zum Kommando bestimmt? Traute er seinen eigenen Leuten dies nicht zu? Das konnte sie nicht glauben. Das Verständnis der Kirin Tor beinhaltete in gewisser Weise auch ein Diktat der Vernunft, etwas was Paladinen durchaus fehlen konnte.
Ein leichtes Seufzen, dass schon fast in ein Gähnen überging, entwich der Magierin - schnell hielt sie die Hand vor den Mund und unterdrückte dieses Zeichen der Müdigkeit, der Schwäche. Sie würde keine Schwäche zeigen, nicht im Kreis der Magier und auch nicht gegenüber den anderen. Besonders aber nicht gegenüber Serath. Sie wusste, dass er sich auf sie verließ - sie wusste, dass er sie brauchte. Sie alle, die Magier. Und er hatte bestimmt bereits festgestellt, dass sie anstelle einer "Sturmwinder Heeresdisziplin" das Kollegialitätsprinzip der Kirin Tor anwandte. Im Grunde sah sie sich nicht mehr als die "Erste unter Gleichen", ein nur der Ordnung dienendes Organ, dass zufällig auch den Kriegsrat in Magiefragen beriet und im Ordensrat die Magier vertrat.
Dies war ihr allenfalls lieber als ein Kommando durchzusetzen, denn so hatte jeder der ihren eine Freiheit, Dinge zu tun, die er für notwendig hielt. Und das einzuschätzen traute sie jedem in ihrem Kreise durchaus zu.
Doch sie war auch vertraut genug mit Kommandostrukturen, dass sie wusste, dass solch eine Führung nur Magiern zugute kam - der einfache Soldat oder Söldner brauchte die starke Hand, die Serath vorgab zu führen. Diese umfasste jedoch - ihrer Auffassung nach - nicht unbedingt die Magier. Sollte der Kommandant froh sein, dass sie hier waren und ihre Unterstützung lieferten.
Ansonsten würde dieses Lager nicht länger stehen, als das nächste Legionsschiff kam und es mit grünen Flammen von dem kleinen, natürlichen Hügel spülte, auf dem sie es errichtet hatten.

Sie war sich sicher, dass Serath dies wusste. Jedoch würde sie ihm vor der Truppe keinen Vortrag dazu halten, seiner Autorität über die anderen zuliebe. Vielleicht in aller Ruhe. In aller Ruhe. Ruhe gab es hier nicht. Sie kannte den Feind, ihren ersten Kontakt zu Dienern der Legion hatte sie bereits im Ersten Krieg, als Adeptin an Seiten ihres Vaters und ihres Lehrmeisters gemacht. Die Legion würde ihnen keine Ruhe lassen, nicht um viel. Sie wusste wohl auch, was im Lager vor sich ging. Dem Spiegelnden Schild zu trotz.
Diese Spielerei diente lediglich dazu, dass nicht JEDE VERFLUCHTE WYRMZUNGE sofort wusste, was hier eigentlich geschieht.
Doch das Kommando der Legion wusste bescheid. Sie konnte nicht einschätzen, wie tief ihr Netz ins Lager drang, doch es wäre vermessen, ja, naiv, zu glauben, dass sie nicht ihre Spitzel gesetzt hätte. Spitzel, die es selbst den Illidari schwer machten, sie zu enttarnen.
Tanara seufzte.
Jeder Streit, jede Insubordination im Lager, all das spielte der Legion in die Hände. Und die Kirin Tor konnte den Verdacht nicht unterdrücken, dass die Legion genau ein solches Ziel vorantrieb. Der Faust einen Finger nach dem anderen zu entreißen, zu brechen - und so den Höllensturz in die Hölle zu stürzen.
Sie würde das nicht zulassen. Nicht heute, nicht morgen, nicht in aller Zeit. Daher galt es den Kurs Seraths zu unterstützen, doch auch würde sie ihren eigenen Kurs nicht ändern. Und dieses dämliche, gar unterwürfige Grüßen war ihr zuwider. Doch wenn es half, das Theater fortzuführen... Dann musste es wohl sein.

In diesen schweren Gedanken versunken machte sich Maga Thalindar auf den Weg zu ihrem Zelt, die Müdigkeit machte sich nach einiger Zeit doch zu sehr breit, als dass sie sich um anderes kümmern konnte...

Tanara A. V. Thalindar
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Von Pflichten, Zwängen und Verantwortung

Beitrag von Ranem am Sa Jun 17, 2017 3:09 pm

Rauschen.
Das war das Einzige, das er noch hörte.
Rauschen und weit entfernt dumpfe, verworrene, unverständliche Stimmen.
Ranem stand inmitten des Vorhofes der gewaltigen, felverdorbenen und qualmenden Festung des Teufelswalls, umgeben von Leichen der Dämonen, die nur Minuten zuvor gefallen waren. Von Leichen der Verbündeten, der Legionsrichter. Von ächzenden, stöhnenden und nach Luft ringenden, gurgelnden Schwerverletzten. Die Luft war derart schwer geschwängert vom Gestank nach verbranntem Fleisch, von Schwefel, von Qualm und Rauch, das jeder Atemzug mit Anstrengung, mit brennenden Lungen quittiert wurde. Verschwommen ließ der Paladin seinen Blick wandern. Die Überlebenden rotteten sich zusammen, suchten nach ihren Freunden, nach Verletzten, nach Gefallenen, Heiler rannten so rasch ihre Beine sie noch trugen zu den sich windenden Körpern am Boden.

Haben wir gewonnen?

Es kam ihm unwirklich vor. Als ihr ursprünglicher Plan nicht von Erfolg gekrönt war, die Obelisken nicht rasch genug ausgeschaltet, rechnete der Truppenführer mit dem Schlimmsten. Er hatte damit gerechnet, dass das hier ihr letzter Einsatz werden würde. Ihr letzter Dienst. Sein letzter Dienst. Dass seine Truppen unter der Übermacht der Legion zerschellen würden, dass jede Taktik, jede Formation, jeder noch so heiser herausgebrüllte Befehl nicht mehr ausreichen würde und das es in letzter Instanz seine Verantwortung sein würde, Unzählige in den Tod geführt zu haben. Und doch stand er nun hier, auf seinen eigenen zwei Beinen, mit dem Schwert in der rechten Hand, die Klingenspitze hinab auf den Boden gesenkt. Er stand dort, benommen, entkräftet, verwundet, aber am Leben. Sein Dienst war noch nicht vorbei. Seiner. Der vieler anderer schon. Und es war seine Verantwortung. Suchend versuchte er, seine Ordensgeschwister zu erfassen, suchte nach Caverios, nach Leodera, nach Darnabas. Nach Tejas, nach Jonina. Nach Bellris. Nach Saevire. Das Pulsieren in seinem Schädel, die verschwommene Umgebung, machte ein Erkennen kaum möglich.

Mit einem trägen Blinzeln versuchte er, die klaren Gedanken zurück in seinen Kopf zu schicken, doch kaum, dass er diesen Versuch wagte, kaum, dass er sich mühte, wieder zur Reaktionsfähigkeit zurückzufinden, mogelte sich eine schwer ignorierbare, andere Tatsache hinzu: Stechender, sinnensraubender Schmerz. Klirrend fiel seine Waffe zu Boden.
Das Einzige, was er von sich selbst noch hörte, war das keuchende, herausgeächzte Ausatmen, als er sich an die tiefe Verletzung griff, die sich quer über sein Gesicht zog, gar hinab bis zum Arm wanderte. Die Axt der Teufelswache, die seinen Helm zerschmetterte, hatte sich durch sein Fleisch geschnitten wie ein heißes Messer durch Butter und jetzt, nach dem Kampf, nach der Hektik, nach dem Zwang, bei Bewusstsein zu bleiben, kehrten Schmerz, Übelkeit und Schwindel umso härter zurück.
"Sir!", hörte er eine ferne Stimme rufen, spürte ein Zerren an seinem rechten Arm. Sein Gleichgewicht und die Kontrolle über seinen Körper entglitten ihm endgültig. Schwärze fand Einzug. Stille.



"Ich habe meine Buße getan. Ihr habt mich geläutert. Es wird kein Fehltritt mehr geschehen. Kein Zögern. Kein emotionales Versagen. Keine Toleranz an den falschen Stellen. Keine Nachsicht, wo sie Fehl am Platze ist."

Die Lider des Paters verengen sich. Das über so viele, unzählige Jahre vertraute Gesicht, die Augen, die dem Paladin zahllose Male mit ihrem röntgenden Blick durchbohrten, ausforschten, sehen ihm eisern und unnachgiebig entgegen. Von dem sonst so sachten, ruhigen und warmen Lächeln ist in diesem Moment, hier und jetzt, bei diesen Worten, nicht zu sehen.

"Gerechtigkeit ist nicht verhandelbar. Der Glaube an das Licht ist nicht bestechlich. Ehre ist keine Frage der bequemlichen Definition. Unsere heilige Pflicht steht über allem."
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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Xarandos am Sa Jun 17, 2017 4:02 pm

Xarandos rannte aus dem Wald heraus, schon seit Tagen rückten die Dämonen auf sein Dorf zu und jetzt waren sie da, er dachte er könnte noch etwas retten bevor sie ankamen....jedoch konnte er das nicht...alles was er sah als aus dem Schatten der Bäume heraustrat war....Feuer....widerliches grünes Feuer, es verschlang alles...Personen, Häuser....Hoffnung....  

Er lief zu seinem Haus....nichts....nur schwelende Überreste seinen einztigen Heims....und seiner Familie....  

Er sah in die Ferne...und dort stand das Grauen....die schuppige Haut...die Hörner....Arsatos....einer der fettesten Grubenlords die er je gesehen hatte.  

Die Armee der Dämonen zog weiter in Richtung Zin-Azshari, offensichtlich wollten sie sich als Vertsäkrung anschließen, zurück blieb Xarandos....allein.  

Er sank über seinen Eltern zusammen, doch er hatte nicht viel Zeit zum trauern, als ein Ruck durch den Boden ging und er eine gewaltige Explosion am Himmel sah.  

Er rannte...wohin wusste er nicht, weg, hauptsache weg von diesem gleißenden Licht, während er rannte flüsterte eine Stimme: "Siehst du es jetzt? Du kannst nicht gewinnen, die Legion gewinnt immer, schließ dich uns an".....  

Xarandos schlug die "Augen", er richtete seinen Körper auf und betrachtete sich, alles war noch da, die Tätowierungen, die Schuppige Haut....er spürte die Hörner die aus seinem Kopf ragten....er hatte nur geträumt. Er bemerkte die Schlinge die um seinen Arm war....wie lange war er weg gewesen? Egal....er musste nacher ein paar Dämonen finden um sich abzureagieren. Noch war der Krieg nicht vorbei....noch.

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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Thalesa am So Jun 18, 2017 10:20 am

Dunkelheit, Stille.... nein aber tot war sie noch nicht. Die Atmung funktionierte noch und einzig der Körper vermag sich nicht zu bewegen. Ein Augenblick an dem für einen Moment das Leben vorbei zog. Sie rechnete jederzeit damit nicht mehr auf zu stehen, immerhin waren sie ihm Krieg und Angst vor der ewigen Dunkelheit hatte sie nicht. Bilder zogen in ihrem Unterbewusstsein durch ihren Kopf. Bilder von damals, als Kind in Gilneas, an der Seite ihres Bruders. An Erinnerungen der Straßen dort und andere Straßenkinder. Die Zeit als sie zum gilnearischen Millitär kam und ihre Ausbildung. Auch an die Zeit als sie mit ihrem Bruder Gilneas verlassen hatte, nach dem der Wall gefallen war und ihre Einheit aufgelöst wurde. Bilder einer Familie die sie zu schätzen gelernt hat und eben jene Bilder waren es die sie dort hielten wo sie gerade war.



Ihre Augen öffneten sich langsam, ein blinzeln, dann verzog sie die Mundwinkel. Die Augen wurden zusammengekniffen und nur langsam begann sie wahr zu nehmen wo sie sich befand. Wie sie dort hinkam wusste sie jedoch nicht. Die Augen suchten die Umgebung um sich herum ab. Was sie sah war gewusel und hören konnte sie schmerzliche Laute der Kameraden, die ebenso im Lazarett gelandet waren.

Ihr Kopf lag um die Stirn herum in einen Verband. Nach dem sie sich etwas gesammelt hatte, richtete sie sich auf und lies den Blick durch das Lazarett wandern. Ihr Blick fand den Weg zu Saev der neben ihr lag. Sie war gerade noch dabei sich zu sammeln, Jarven trat auf sie zu und bat ihr Hilfe an wenn sie jemanden zum Reden brauche und Riamh kam ebenso und sah auch nicht grade unverletzt aus. Nach kurzem Wortwechsel saß sich Riamh zu Saev und Thal ging erstmal nach draußen zu ihrem Hund......

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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Bellris am So Jun 18, 2017 12:28 pm

Es war vorbei.

Vor wenigen Minuten war der letzte Dämon auf dem Schlachtfeld nieder gegangen und der Kampfplatz zeigte sich nun übersät von Leichen, gleichwohl Feinde wie auch Verbündete. Rauch stieg an vereinzelten Stellen in den Himmel, abgebrochene und eingerissene Banner wehten lau im Wind. Obwohl es ein Sieg sein sollte, war es nur Verheerung und Tod.

Die Geräusche drangen nur dumpf an ihre Ohren, wie durch Watte und der Blick war verschleiert. Übernatürlich laut hörte sie jeden Atemzug über ihre Lippen kommen, die durch die Hitze vielerlei Zauber und brennender Waffen verbrannt und aufgeplatzt waren. Mit jedem zittrigen Atemzug wurde ihre Benommenheit stärker. Ein Gesicht schob sich in ihr Sichtfeld, so unwirklich und rein wirkte es, helle Haut die von schokoladenbraunen Haaren umrahmt waren. Die angenehme Stimme der Frau wirkte genauso deplatziert wie ihre gesamte, scheinbar unverletzte, Erscheinung. Sie sprach zu ihr, jedoch nahm Bellris nicht mehr als die Bewegungen der Lippen wahr. Sie nahm ihre Hand und drückte diese an ihren Torso, ein für sie in dem Moment undefinierbarer Gegenstand presste sich gegen ihre Handfläche. „...das festhalten“, erreichten die Worte dumpf ihr Bewusstsein aber wirklich verstehen tat Bellris diese nicht.

Wie ging es den anderen? Waren sie tot oder lebendig, bis vor wenigen Minuten hatte sie es noch gewusst. Bis zu dem Moment, als es vorbei war. Als die Kraft sie verließ, Schwert und Schild ihren kraftlosen Händen entglitten. Mit dem Gefühl, dass ihre Rüstung zu schwer auf ihren Körper drückte und jede Bewegung in einer Explosion aus Schmerz aufging, hatte sie sich an den Rand des Schlachtfeldes geschleppt und nun die anderen aus den Augen verloren. Sie hatte sich völlig verausgabt, alles in eine Waagschale geworfen und nun war sie ausgesaugt, nicht mehr in der Lage auch nur einen Funken Licht zu wirken. Mit dieser Erkenntnis überkam sie Übelkeit und Schwindel, die Welt begann sich zu drehen und sie kippte zur Seite, übergab sich auf den harten, rissigen Boden. Wieder diese Stimme, diesmal zusammen mit Händen, die sie festhielten und davor bewahrten wie ein nasser Sack vom Stein zu kippen. Bellris lies den Gegenstand, den sie noch immer gegen ihre Rippen drückte, achtlos fallen. Noch mehr Hände und Stimmen. Sie verstand sie nicht. Aus ihrer gekrümmten Haltung wanderte der Blick träge zurück zum Schlachtfeld. Zumindest eine Person erblickte sie nun, mitten in diesem See aus Toten und Schwerverletzten stand er aufrecht und reglos aber sie erkannte ihn zweifellos. Im ersten Moment löste es Erleichterung aus, bis das Schwert seinen Händen entglitt und er zur Seite umkippte.

Sie wollte schreien, aber nur ein heiserer Laut kam über ihre Lippen, die Hände drückten sie nach hinten. Selbst wenn sie es gewollt hätte, es wäre keine Kraft mehr übrig gewesen um sich zu wehren. Der dunkle, wolkenverhangene Himmel geriet in ihr Blickfeld, Wasser drang in ihre Kehle ein und sie musste husten, dann wurde es schwarz...
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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Kheya Traynor am So Jun 18, 2017 2:44 pm

"Siehst du das?!"

Kheya Traynor legte den Kopf in den Nacken, um die Worte dem Himmel entgegenzuschreien, wieder und wieder. Sie spuckte sie förmlich aus, fauchte sie herausfordernd - fordernd! Fast ging ihr Schrei im Lärm der Schlacht unter, begraben unter einer Klangwelle aus Stahl, Verderbnis, Elend und Tod. Sie begann zu lachen.

Das hier war ihre Welt.

Vom Rücken der Bärin aus streckte sie einen Feind nach dem anderen nieder, stieß ihren Speer tief in die dämonischen Leiber und sah triumphierend zu, wie sie schließlich von Klauen und Zähnen zermalmt wurden. So kämpften die Schildmaiden von Skold Ashil. So ritten sie in die Schlacht - mit Schild und Speer, auf dem Rücken eines Bären. Wenn Odyn und Eyir das nicht gefiel, was dann?

"Siehst! Du! Das?!", brüllte sie erneut, als sie eine weitere Bestie ins Nichts befördert hatte. Sie warf keinen Blick zurück. Es ging nicht mehr um ihre Kameraden, den Höllensturz, oder die Legionsrichter. Sie waren ihr egal. Kheya war hier, um zu kämpfen - um zu töten und ihrem Namen Ehre zu machen. Wenn sie dafür alle Dämonen der Legion allein abschlachten musste, würde sie das tun. Wenn sie die ganze Welt töten müsste, würde sie auch das tun.

"Du bist aus Tod gemacht..."

Sie ließ den Speer wirbeln, schmetterte ihren Schild in die Seite ihrer Feinde, trat, spuckte und tötete, aber die Zerstörung, die verzehrende Macht der Dämonen floss um sie herum - wie stets. Um sie - nicht um ihre Kameraden. Nicht um die Bärin. Kheya fühlte wie sich die massige Form unter ihr zurückverwandelte, in die Gestalt einer Nachtelfe, die langsam in sich zusammensank und sie selbst mit beiden Füßen auf dem Boden zurückließ.

"Warum nicht du? Warum nicht du? Ich dachte, dass wüsste jeder..."

Sie ignorierte den kleinen Zweifel, der sich in ihrem Kopf einnisten wollte. Jetzt war nicht die Zeit, um an so etwas zu denken. Es gab noch Feinde zu töten und Kheya wollte verdammt sein, wenn das nicht auch geschah. Schemen aus Grün, Schwarz und Silber flirrten an ihr vorbei, als sie vorwärts drängte. Sie verlor das Zeitgefühl, verlor den Sinn für alles um sich herum - glaubte noch ein '...nicht allein!', zu hören, eine Warnung und hörte doch nur ein 'Allein'.

Allein?

Sie stürzte sich auf das Biest aus Stein und Feuer, wie damals bei der Rotwehr. Es konnte ihr nichts tun. Es konnte sie nicht verbrennen. Es konnte sie nicht töten. Sie war schließlich Kheya Traynor. "Siehst du das...?", raunte sie dumpf, oder glaubte zumindest, dass sie das tat. Der Lärm und die Hitze waren erdrückend, als sie ihren Speer nach vorne stieß und damit ihre Frage untermauerte. Es war bedeutungslos. Sie würde keine Antwort erhalten. Egal was sie tat, egal wie sehr sie es wollte, wie viele sie tötete.

Sie hätte alles getan dafür.

Allein.

Ein wuchtiger Schlag gegen ihre Seite, eine Explosion und Trümmer. Sie spürte, dass sie am Boden lag. Nicht tot. Nicht wirklich verletzt und als sie sich aufrappelte, waren die Feinde verschwunden - zermalmt von den vereinenten Kräften des Höllensturzes und der Legionsrichter. Kheya reckte ihren Speer in die Höhe und versuchte sich des Sieges zurfreuen, aber alles, was sie spürte, war diese Leere, als sie die Leichen von Freund und Feind betrachtete.

'Sieg! Sieg!', hätte sie schreien sollen, stattdessen krächzte und hustete sie, in dem Versuch, 'ihren' Namen auszusprechen. Sie suchte mit ihrem Blick, fand  nichts. War allein, inmitten von Leichen, die sie mit Schweigen straften.

"Siehst du das...?", flüsterte sie heiser und wusste schon nicht mehr, wen sie damit meinte.
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Re: Geschichten der Front

Beitrag von Jarven am Mo Jun 19, 2017 2:38 pm

Jarven drehte die abgebrochene Schwertspitze in seiner rechten Hand hin und her. Sie war deformiert und zerkratzt und die meisten Stellen der zerstörten Klinge waren mit eingetrocknetem grünen Blut beschmiert. Das Schwert von Jarven hatte sein Ende in der letzten großen Schlacht gefunden. Dem Schild, was er in seiner Berufung als Verteidiger immer bei sich trug, ging es nicht besser es war zwar noch intakt hatte aber auch schon bessere Zeiten gesehen. Riesige Kratzspuren durchzogen das Wappen der silbernen Hand, eingetrocknete Blutspritzer waren weit auf dem ganzen Schild verteilt und es war nach innen gedellt.

An den Verletzungen, die Jarven im letzten Kampf davon trug, waren Schwert und Schild nicht ganz unschuldig. Das Schwert zerbrach durch eine dämonische Klinge und bei dem Versuch mit der zerbrochenen Klinge weiter zu kämpfen unterschätzte er den geringen Widerstand jener und holte sich Prellungen und Hämatome während die Klinge in seiner Hand in immer mehr Einzelteile zerbrach. Den Großteil seiner Verletzungen verursachte allerdings sein Schild an ihm, erneut durch die pure Wucht eines Dämonen. Während Jarven kein Schwert mehr hatte versuchte er die einfallenden Schläge der Dämonen mit seinem Schild zu stoppen, in der Hoffnung sie würden irgendwann aufhören. Als er schon am Boden lag und das Schild immernoch mit aller Kraft von sich drückte, hämmerte der Dämon weiter auf ihn ein, doch irgendwann musste auch Jarven nachgeben schließlich war er nur ein in die Jahre gekommener Mensch. Während Jarven versuchte seinen Körper zu schützen drückte das Schild immer mehr auf seinen Körper und die durch die dämonischen Schläge verursachten Kanten pressten sich in seine sowieso schon kaputte Rüstung. Seine eigene Rüstung bohrte sich immer tiefer in das Fleisch der Arme hinein, an manchen Stellen bestimmt sogar bis auf die Knochen. Außerdem war da noch das Gewicht des Dämons, welches unaufhörlich auf ihm lag. Jarven biss die Zähne zusammen aber er merkte wie seine Rippen anfingen nachzugeben.
In diesem Moment hatte Jarven bereits mit seinem Leben abgeschlossen, hatte sich bereit gemacht vom Licht empfangen zu werden. Allerdings kam es anders, er wurde gerettet. Kameraden sahen ihn in seiner misslichen Lage lockten den Dämon von Jarven weg und töteten ihn.


Seit diesem Vorfall sind nun aber schon wieder ein paar Tage vergangen. Er saß im Lazarett der Retterklippe. Seine Wundheilung war dank der Kräfte des Lichts deutlich vorangeschritten. Schmerzen hatte er aber immer noch, zu stark waren die Verletzungen einfach. Außerdem sehnte er sich nach Frieden. Er hatte immer versucht zu lachen und zu lächeln, die Kameraden vom Krieg abzulenken und über schönere Dinge zu sprechen, doch wie lange hielt das Lächeln noch?
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Flundern!

Beitrag von Denissaryen am Mo Jun 19, 2017 5:51 pm

Genervt klappte sie das Buch zu und verstaute es wieder in ihrer Tasche. Dann ging sie es in ihren Gedanken noch einmal durch: Sie hatte sich mit dem Blut dieses anderen Hexenmeisters – oder was von ihm noch übrig war – wieder zusammengeflickt, nachdem Orpehlia ihre deformierten Knochen gerichtet hatte. Gerade so, war sie noch in der Lage sich hinunter zu schleppen. Dass dieser Magier ihr dabei geholfen hatte, verdrängte sie aus der Erinnerung. Aus reinem Prinzip.

Armer Arax!" Sie lachte lauthals los, als ihr die Erinnerung durch den Kopf schoss, wie sie diese Teufelswache einfach über die Klippe geschickt hatte. Natürlich hatte sie sich vorher noch der Lebensenergie dieses Dings bemächtigt und so dessen Widerstand gegen den Selbstmord verringert. Aber es hatte für Orphelia einen gewissen Witz, diese "ach so mächtigen" Soldaten der Legion zum Selbstmord zu zwingen. Zu schade dass es nicht bei dem Verräter erledigen konnte. Sie hatte nur gehört, dass es einer der Dämonenjäger war. Der Stille. Der, der nie etwas sagte. Sie wusste nicht einmal seinen Namen. Aber sie wusste genau, was sie mit ihm getan hätte. Das was man mit ihr getan hatte - nur wesentlich, WESENTLICH länger. Und dann hätte sie ihm den Dämonen heraus gerissen. Und vermutlich ein paar Finger... und so weiter. Hauptsache, sie war es, die man so lange verdächtigt und unter Beobachtung gehalten hatte. Süße Gerechtigkeit. Wenn auch nicht ganz nach ihrem Sinne!

Mit einem Grinsen fuhr Orphelia den Buchrücken ab und seufzte dann, als würde sie jetzt schon an die "guten alten Tage" denken, die gerade erst einmal drei Tage her waren! Auch wenn das so lebende Flundern wie Erethil oder die meisten der Paladine nicht behaupten würden. Doch dann legte sich ihre Stirn in Falten und ihre Hand wieder zu zittern. Die Nachwirkungen der Blutmagie, die sie genutzt hatte, war noch immer gut spürbar. Es schien als wäre sie in den letzten Tagen so dünn geworden, dass sie kaum noch die Kraft hatte zu stehen.  Wenn das so weiter gehen würde… wer weiß. Die extreme Muskeldegeneration war etwas dass die Hexe jetzt noch ein paar Tage irgendwie überbrücken musste – dann würde sie wieder zu „normalem“ Gewicht zurückkehren. Als das Zittern dann überhand nahm und sich ihr ganzer Arm kaum unter Kontrolle halten ließ beschloss sie das Problem mit einem weiteren Problem zu bereinigen. Noch mehr verdorbener Magie.

Halt den Mund. Ich weiß selbst dass das nicht hilfreich ist. Aber es ist nötig.“ Keifte die Hexe sich selbst an und abermals musste sie ein Zähneknirschen unterdrücken. Sie hatte ohnehin nicht die Kraft dafür. „Wenn du eine besser Idee hast, immer her damit!“ Doch ihr sonst so unruhiger Geist lieferte keine Antwort. Stille. Stille und die zu unterdrückenden Schmerzen.  
Wenigstens würde sie mit Legionsfolianten nun endlich ihre Fähigkeiten zur Dämonenbeschwörung verbessern. Die Frau wollte schon immer einen Leerwandler! Nun brauchte sie nur einen Namen… und Zeit. Zeit um das aus zu sitzen.

"Beim Arsch von Sargeras! Und diese Witzfigur von Hexenmeister!" Lachte sie, sich erinnernd, wieder los. Seltsame Frau.
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Alte Gewohnheiten

Beitrag von Tharvyn am Mi Jun 21, 2017 7:34 am

Neben ihm krachte eine Teufelsfledermaus hinab und blieb regungslos liegen. Die fünfte am heutigen Tag. Morgen? Abend? Eine Zeit bei dem beständig grünlich flackernden Himmel, der immer wieder von Blitzen durchzuckt wurde, genau zu definieren überließ er anderen. Nicht, dass es eine Rolle spielte. Der kleine Vorposten der Illidari fand sich in regelmäßigen Abständen unter Beschuss. Natürlich waren die Dämonenjäger der Legion ein Dorn im Auge, hier, so nah am Ziel und doch gefühlt so meilenweit entfernt. "Ein Nadelstich nach dem anderen", hörte er Illidari Forvien anmerken, während sie ihre Gleven in den leidlich zuckenden Flügeln einer weiteren Teufelsfledermaus versenkte.

"Wann reitet Ihr los?" Der Kopf des Illidari wandte sich abermals in Richtung der kaldorei'schen Waffenschwester. Sie verzichtete auf das "Du", auch wenn es ihr sicherlich einfacher über die Lippen kam. Alte Gewohnheiten waren so schwer abzulegen und in Tharvyns Fall war "alt" definitiv wörtlich zu nehmen. So viele Jahrtausende schien es bereits her, dass er inmitten der Wildnis Kalimdors auf diesen seltsamen Elfen getroffen war, der mit verbundenen Augen auf einen Teufelsjäger eingeschlagen hatte. Diesen einen Elfen, der über die Jahrtausende auf Höflichkeitsformen einer längst untergegangenen Welt beharrte, gleich wie sich die nachtelfische Gesellschaft auch entwickeln mochte und es immer noch schätzte, sich zur Meditation zurückzuziehen. Sie waren anders 'groß' geworden, als die aus Tharvyns Sicht jüngere Generation am Schwarzen Tempel. Bedächtiger, vielleicht. Ohne Zeitdruck mit Sicherheit. So völlig anders, als "das Kind".

"Tharvyn? Wann werdet Ihr aufbrechen?" hakte Forvien nochmal nach. "Bald", antwortete Tharvyn in seiner so üblichen Neigung zu minimalistischen Äußerungen. Eine Angewohnheit, wie so viele unzählige andere, welche weder eine zunehmend schuppigere Haut noch ein intensiveres Glühen der verbliebenen Augenhöhlen zu ändern vermochten. Er suchte Beneris, der sich etwas abseits zurückgezogen hatte, um seine Kräfte zu sammeln. Er meditierte. Alte Angewohnheiten ließen sich bekanntlich nur schwer ablegen.
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